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Morseschulungsanlage

Die Morseausbildung in der Schweizer Armee

Im Bereich der Telegrafie wurde in der Schweizer Armee über Draht und Schreibfunk bis in die 1950er Jahre die Nachrichten mit der in den 1830er Jahren entwickelten Morseschrift übermittelt. Das Erlernen dieser Schrift war zentral für die Telegrafisten.
Das Telegrafieren mit Morsezeichen wurde in zivilen Bereichen wie Verwaltung, Bahnen sehr schnell verbreitet. Später, ab ca. 1870 interessierte sich auch immer stärker die Armee.
Die ersten Armee-Telegrafisten waren durchwegs zivil ausgebildete Telegrafisten (Eidg. Telegraphen Verwaltung). Mit der drahtlosen Nachrichtenübermittlung begann dann 1914 aber eine noch bescheidene Ausbildung der Telegrafisten in der Armee in der Tg Pi RS in Zug.
Mit dem Aufkommen immer zahlreicherer Funkgeräte in den 1920er Jahren konnten weder die Eidg. Telegrafen und Telefon Verwaltung, noch Radio Schweiz genügend diensttaugliche Telegrafisten ausbilden.
1927 wurde der Eidg. Militärfunkerverband EMFV (später in EVU umgetauft) gegründet, mit der Hauptaufgabe, Jugendliche vor der RS im Morsen auszubilden.
Bis 1942 wurde aber durch die Truppe selbst sehr wenig oder dann unsachgemäss ausgebildet. Es fehlte hauptsächlich das qualifizierte Lehrpersonal und auch das Lehrmaterial. Dazu kam auch eine gewisse Scheu vor den Funkgeräten und die teilweise Unkenntnis der Leistungsfähigkeit dieser Geräte. Die zugeteilten Geräte wurden oft zum Abhören von Musik oder im Telefonieverkehr benutzt. In diesen Kriegsjahren wurde dann aber doch an höchster Stelle doch erkannt, dass im Ernstfall in gestörter Situation nur noch mit dem Morsezeichen Aussicht auf eine brauchbare Übermittlung bestand. Der Befehl des Generals vom 8. April 1943 setzte dieser «Amateur-Funkerei» ein Ende.
Im Winter 1944 wurden dann an 130 Kursorten rund 4'000 Jugendliche vor der RS während 40 Stunden im Morsen ausgebildet. Damit begann eine systematische Ausbildung von Morsetelegrafisten und Morsefunkern. Das Ziel der Vorkurse war das Erreichen einer fehlerlosen (Nulltoleranz) Übermittlung von 30 Zeichen/Minute.
Mit Verfügung vom 12. Dezember 1945 wurden für die Truppe die folgenden Minimalleistungen für Senden und Empfangen verlangt:
FFTrp:                                     60 Zeichen/Minute
Genie, Festungswacht           50 (Auszug); 40 (Landwehr)
Übrige:                                   25 (Auszug); 20 (Landwehr)

Das hier gezeigte Ausbildungsmaterial wurde ab den 1940er Jahren in allen Kursen angewendet. In den 1990 er Jahren wurde die Ausbildung mit dem elektronischen Morsetrainer MORSIX mt-8A wesentlich effizienter.

Grundlagen:
​​​​​​​Reglemente: Die Ausbildung im Morsen Teil I, Das Aufnehmen; 58.12/I
                       Die Ausbildung im Morsen Teil II, Das Tasten; 58.12/II

Rolf Immer:   Die Morse-Telegraphie-Ausbildung in der Schweizer Armee,2006

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